Ecosia-Gründer: "Tech-Milliardäre sind auf dem Natur-Auge blind"

Ecosia-Gründer Christian Kroll möchte bei Suchmaschinen-Nutzer*innen nachhaltiges Kaufverhalten fördern und die Klimadebatte nicht Tech-Milliardär*innen überlassen

Ecosia-Gründer: "Tech-Milliardäre sind auf dem Natur-Auge blind"
Ecosia-Gründer Christian Kroll spricht bei der Bits & Bäume-Konferenz über ein neues Wirtschaften. Foto: Christian Soult

"Im Web suchen und Bäume pflanzen...." - mit diesem Versprechen hat es die Suchmaschine "Ecosia" geschafft, zur weltweiten Nummer acht unter den Suchmaschinen zu werden. Nun war Ecosia-Gründer und -Geschäftsführer Christian Kroll auf der "Bits und Bäume" 2022 zu Gast.

Er hat die Suchmaschine 2009 gegründet - als eine Art "Vordenker" der Bits & Bäume-Bewegung. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen durch die Suchanfragen seiner 20 Millionen Nutzer*innen bisher schon fast 160 Millionen Bäume gepflanzt. Damit soll pro Suche ein halbes Kilogramm CO² aus der Luft gezogen werden.

Kroll sprach bei dem Panel "Transformative Business Models and the Socio-Ecological Transformation“. Dabei griff er eine häufige Kritik am Konzept der Suchmaschine auf: Sie verbrauche selbst auch die Energie von Servern und IT. Die Bilanz sei aber positiv: Ecosia, entgegnet er, erzeuge drei Mal so viel Strom, wie die Suchmaschine verbraucht.


Mit Suchanfragen Konsum beeinflussen

Was kann eine Suchmaschine noch für die Gesellschaft tun, außer Bäume zu pflanzen? Ecosia, sagt Kroll, will seine User animieren, sich besonders klimafreundlich zu verhalten. Deshalb zeigt sie bei Suchanfragen besonders nachhaltige Produkte bevorzugt an. Beispielsweise sehen die Nutzer*innen bei der Suche nach IPhones auch Angeboten für Fairphones. Außerdem möchte Ecosia Kaufentscheidungen beeinflussen, indem sie Klimadaten von Unternehmen aus externen Quellen anzeigt.

Christian Kroll wünscht sich für die soziale Marktwirtschaft einen Wandel hin zu einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft. Er sieht sich als Teil der Purpose-Bewegung. Diese setzt sich für neue Wirtschadtsformen ein, die nicht nur den Zweck haben, den Shareholdern Geld zu beschaffen. Im Gespräch mit dem "Bits & Bäume"-Blog sprach er von einer gefährlichen Entwicklung: Tech-Milliardäre wüssten wenig über die Natur, bestimmen aber gleichzeitig die Klimadebatte mit.

Umgekehrt könne sich die Klimabewegung aus der Tech-Welt eine Denkweise aneignen, die auch Skalierungen mit beachtet. Nur so könnten die besten Lösungen entstehen. "Bäume pflanzen ist viel günstiger als viele technische Neuentwicklungen".